KfW Research
Frauen in FührungspositionenBeim Thema Frauen in Führung hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Im mittleren Management wie auf Spitzenpositionen, in mittelständischen Unternehmen wie in großen Konzernen – Frauen sind hier zu Lande in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert. Die Ursachen sind dabei vielfältig und komplex. Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiegelt sich darin ebenso wider wie gesellschaftliche Rollenbilder oder die Unternehmenskultur. Dabei gäbe es gerade für Deutschland ausreichend Gründe das Potenzial von Frauen in Führung stärker auszuschöpfen: Die generell schrumpfende Erwerbsbevölkerung und drohende Fachkräfteengpässe setzen Anreize. Nachhaltige Veränderungen lassen sich in jedem Fall nur durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Gesellschaft und Unternehmen erreichen.
Chefinnenanteil im Mittelstand zuletzt erneut gesunken

Der Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit einer Frau an der Spitze liegt aktuell bei 14,3 %. Die Anzahl frauengeführter Unternehmen im Mittelstand liegt aktuell bei rund 549.000.
Zu wenige Existenzgründungen durch Frauen
Der geringe Frauenanteil an der Spitze mittelständischer Unternehmen ist in großen Teilen der eher zurückhaltenden Gründungstätigkeit von Frauen geschuldet. Vor allem die für Frauen sehr guten Arbeitsmarktaussichten führen häufiger zur Entscheidung gegen eine unternehmerische Selbstständigkeit. Die niedrige Gründungstätigkeit von Frauen bremst dann auch den Frauenanteil in den Chefetagen mittelständischer Unternehmen aus. Zuletzt im Jahr 2023 betrug der Anteil von Frauen an allen Existenzgründungen in Deutschland rund 44 %.
Frauen auch bei Führungspositionen seltener anzutreffen

Nicht nur in den Chefsesseln sind weniger Frauen zu finden. Im Jahr 2024 waren auch generell weniger Führungspositionen weiblich besetzt. Darunter fallen u. a. Team-, Abteilungs- oder Bereichsleitung sowie Geschäftsführung, Vorstand oder Inhaberschaft. So wurde bei 35,6 % aller mittelständischen Unternehmen mindestens eine Führungsposition von einer Frau bekleidet (-4,4 Prozentpunkte). Der Anteil weiblicher Führungskräfte an sämtlichen Managementpositionen in Unternehmen mit Mitarbeitenden nahm parallel auf 21 % ab (-4,9 Prozentpunkte). Gemessen am Frauenanteil an allen Erwerbstätigen (47 %) sind Frauen bei Führungspositionen im Mittelstand weiterhin unterrepräsentiert.
Generell gibt es einen starken Zusammenhang zwischen einer Frau an der Unternehmensspitze und einer ausgeprägten weiblichen Führungsquote im Unternehmen. Chefinnen-Unternehmen im Mittelstand hatten im Jahr 2023 einen annähernd 5-mal höheren Anteil weiblicher Führungskräfte als männergeführte KMU (77 vs. 16 % im Durchschnitt).
Frauengeführte Unternehmen in erster Linie in Dienstleistungsbranchen

Frauen sind im Mittelstand besonders in Wirtschaftszweigen in unterschiedlichen Dienstleistungssegmenten aktiv bzw. selbstständig. Neun von zehn Chefinnen lenken ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen (90 % bzw. rund 533.000 KMU im Jahr 2023). Etwa 7 % Prozent aller frauengeführter Unternehmen sind im Verarbeitenden Gewerbe verortet (ca. 23.000). Die Frauenquote lag im Verarbeitenden Gewerbe bei rund 11 % im Jahr 2023. Im Baugewerbe steht nur bei rund jedem zwanzigsten Unternehmen eine Frau an der Spitze (5 %).
Frauengeführte KMU haben im Durchschnitt eine geringere Unternehmensgröße als männergeführte KMU, denn Dienstleistungsunternehmen sind in aller Regel kleiner. Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Mitarbeiterzahl frauengeführter Unternehmen bei etwa 7,8 (Erwerbstätige, inklusive Inhaberinnen). Männergeführte Unternehmen waren mit durchschnittlich 10,1 Mitarbeitern demnach um etwa 29 % größer.
Wirtschaftliche Bedeutung frauengeführter Unternehmen im Mittelstand
Die wirtschaftliche Bedeutung der frauengeführten Mittelständler in Deutschland ist nicht zu unterschätzen – bewegt sich allerdings eher seitwärts und nimmt in der Gesamtsicht nicht zu. Entscheidend ist dabei der beschriebene Unternehmenstyp, den Frauen in aller Regel führen: Der starke Fokus auf kleinere Unternehmen aus Dienstleistungssektoren trägt wesentlich dazu bei, dass frauengeführte KMU gemessen an ihrem Anteil an allen KMU von aktuell ca. 16 % einen unterproportionalen Beitrag zur gesamten Wirtschaftskraft im Mittelstand leisten. Einige Indikatoren aus dem Jahr 2022 verdeutlichen dies. Frauengeführte Mittelständler (16 % aller KMU):
- beschäftigen rund 3,2 Mio. Personen (ca. 10 % aller Erwerbstätigen im Mittelstand, -1 Prozentpunkt ggü. 2020),
- bilden rund 91.000 junge Menschen aus (ca. 7 % aller Auszubildenden im Mittelstand, -1 Prozentpunkt gg. 2020),
- erzielen insgesamt 482 Mrd. EUR Umsatz (ca. 9 % der gesamten Inlands- und Auslandsumsätze des Mittelstands, + 1 Prozentpunkt ggü. 2020)
- erzielen rund 26 Mrd. EUR an Online-Umsätzen (ca. 9 % am gesamten Online-Umsatz des Mittelstands)
- investierten 14,8 Mrd. EUR in neue Anlagen und Bauten (ca. 7 % der Bruttoanlageinvestitionen des Mittelstands, -1 Prozentpunkt ggü. 2020)
Unterschiede bei den Ausbildungswegen – hoher Akademisierungsgrad bei Frauen

In der jüngeren Vergangenheit gab es größere Verschiebungen bei den höchsten Bildungsabschlüssen der Inhaberinnen mittelständischer Unternehmen Der Akademikeranteil ist deutlich rückläufig. Die Attraktivität einer Inhaberschaft im Mittelstand ist demnach in der jüngsten Vergangenheit für Akademikerinnen gesunken.
Bei männergeführten KMU lässt sich eine solche Entwicklung überhaupt nicht feststellen. Im Gegenteil zeigt die Verteilung der höchsten Bildungsabschlüsse in den letzten Jahren fast keine Variation. Der Akademisierungsgrad verharrt bei 43 %, die weiteren Anteile schwanken nur geringfügig.
Hier finden Sie die dazugehörigen Publikationen
Aufholjagd nicht in Sicht: weniger Frauen an der Spitze und in Führungspositionen im Mittelstand
Frauenquote im Mittelstand entwickelt sich in der Corona-Krise nur schleppend (Januar 2020)
Frauen stellen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im Mittelstand (August 2019)
Frauen in Führungspositionen – im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher (Februar 2019)
Stand: März 2025
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