Ausgerechnet im Winter und in nur sieben Monaten Bauzeit wagt Sören Hüppe die Sanierung eines Backsteinhauses von 1882 zum Effizienzgebäude. Der Mittelständler setzt dabei auf ein bewährtes Rezept: sein eingespieltes Team, modernste Technik – und die Unterstützung der KfW.
Borkum steht für Ruhe, Wind und Weite – jedenfalls für Touristen. Für Borkumer heißt das im Gegenzug: kurze Bauzeiten. Denn um den Gästen von April bis Oktober eine beschauliche Hauptsaison bieten zu können, baut man auf der westlichsten und größten der Ostfriesischen Inseln ausschließlich in der kalten Jahreszeit. Eine logistische Meisterleistung: „Jeder Stahlträger, jeder Stein, jeder Mörtel, jede Wand, ob Holzrahmenbau oder wie auch immer, muss mit der Fähre auf die Insel kommen – sonst steht der Bau“, sagt Sören Hüppe.
Er muss es wissen. Hüppe, der mit seiner Schwester Neele Benken das Insellust Resort Borkum betreibt, hat seit 2011, seit er auf die Insel zog, jedes Jahr gebaut. „Warum? Bauen liegt uns im Blut“, sagt Hüppe und lacht. Mit seinem Vater Michael plant er, was sein Bruder Jan-Hendrik im Holzrahmenbau auf dem Festland vorfertigt – das spart Zeit. Mutter Gesche übernimmt die Inneneinrichtung, Neele kümmert sich um Marketing und Administration. Die Familie bildet den Kern eines eingespielten Teams.
Neben dem Stammhaus, genannt „Arthotel Bakker“, und dem „Gästehaus Wilhelm“ zählen rund 100 Ferienwohnungen und Appartements auf Borkum zum Insellust Resort. Die Kernsanierung des Stammhauses liegt noch nicht lange zurück. Nun ist das Nachbarhaus an der Reihe. Das 1882 im inseltypischen Stil erbaute Backsteinhaus wird kernsaniert und erweitert. So entsteht Raum für vier Hotelzimmer, drei Ferienwohnungen und eine privat genutzte Wohnung im Obergeschoss. „Ins Erdgeschoss kommt unsere „Bakkerie“. Mit dem gastronomischen Angebot ergänzen wir unser Stammhaus ideal“, freut sich Hüppe.
Doch nicht nur das Zeitfenster schränkt Hüppe ein, auch die enge Bebauung im historischen Ortskern, der Ensembleschutz wegen des Rathauses gegenüber, der Fachkräftemangel und viele weitere Problemfaktoren, die auf Borkum aufwendiger sind als auf dem Festland, müssen bedacht werden. Zudem sind die Baukosten deutschlandweit in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, vor allem durch höhere Materialpreise und steigende Löhne. Obendrein ist Bauen auf den Ostfriesischen Inseln noch deutlich teurer als auf dem Festland: Hüppe muss mit 30 bis 40 % höheren Kosten kalkulieren.
Umso wichtiger ist es für den umtriebigen Mittelständler, finanziell einen sicheren Partner an der Seite zu haben. Den hat Hüppe mit Unterstützung seiner Hausbank in der KfW gefunden, als er 2021 das Stammhaus kernsaniert hat. Schon früh holte Hüppe damals seine Beraterin bei der Sparkasse LeerWittmund mit ins Boot, die Finanzierungsmöglichkeiten und alle Förderoptionen abglich. Der Favorit stand schnell fest: ein Förderkredit mit Tilgungszuschuss aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). „Die Struktur des KfW-Förderprogramms hat uns alle Türen geöffnet, sodass wir die Sanierung zügig umsetzen konnten. Aber auch die Antragstellung durch den Energieberater und die Abwicklung, das war total top“, erinnert sich Hüppe. Wie schon bei der Sanierung des Stammhauses zog Hüppe den Energieberater Paul Hentschel von der Ingenieurberatung Bröggelhoff aus Oldenburg hinzu, der auf der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes gelistet ist.
Beim Stammhaus haben Hentschel und Hüppe die Effizienzgebäudestufe 100 erreicht. Beim neuen Projekt stecken die beiden ihre Ziele höher. „Am Anfang haben wir mit einer deutlich geringeren Förderung gerechnet“, verrät Hüppe. Doch nachdem Hentschel das Bestandsgebäude gründlich erkundet hatte, konnte er ein energetisches Gesamtkonzept für die Sanierung zum Effizienzgebäude 70 - Erneuerbare-Energien-Klasse (EE) erstellen.
„Das erreichen wir durch eine Wärmedämmung der Außenwände und eine Dach- und Bodenplattensanierung“, zählt Hentschel auf, „außerdem werden alle Fenster und Türen erneuert. Und wir setzen auf erneuerbare Energien: eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine PV-Anlage – und die Beleuchtung erneuern wir in Form von LED.“
Weil das Gebäude sowohl privat als auch für Gästewohnungen und im Erdgeschoss für die Gastronomie genutzt werden soll, kombiniert Hüppe die KfW-Förderkredite für Wohngebäude (261) und Nichtwohngebäude (263) aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude. „Das ist problemlos möglich“, versichert Energieexperte Hentschel. „Voraussetzung für die Förderung ist, dass jemand wie ich, also eine Expertin oder ein Experte für Energieeffizienz, die energetische Planung und Baubegleitung übernimmt.“
Die Förderung besteht aus einer zinsgünstigen Kreditfinanzierung und einem Tilgungszuschuss, was bedeutet, dass Hüppe einen Teil des Kredits nicht zurückzahlen muss. „Die Tatsache, dass das Gebäude ein sogenanntes Worst Performing Building ist, also energetisch zu den schlechtesten 25 % in Deutschland zählt, sorgt noch für einen Extra-Tilgungszuschuss“, erklärt Hentschel.
„Natürlich ist die KfW mit ihren attraktiven Fördermöglichkeiten ein Signalgeber“, findet Hüppe. Er nutzt das kurze Baufenster auf Borkum deshalb, um gleichzeitig in einem weiteren Gästehaus die Heizung mit KfW-Förderung zu modernisieren. „Dort tauschen wir aktuell die Gas-Brennwert-Therme aus gegen eine hocheffiziente Wärmepumpe und erhalten dafür einen Zuschuss, der sehr attraktiv ist, in Kombination mit einem Ergänzungskredit“, so Hüppe. Der Mittelständler denkt bei seinen diversen energetischen Sanierungen und Modernisierungen nicht nur an die Wirtschaftlichkeit, sondern auch an seine gesellschaftliche Verantwortung: „Wir lieben diese Insel, wir lieben diesen Naturraum. Und wir sind ja nur ein Teil der Borkumer Tradition des Bädertourismus, den wir mit unseren Investitionen in die Moderne tragen.“ Dabei steht für Hüppe fest: „Die KfW-Förderung ist existenziell für die Entwicklung dieser Projekte.“
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